Der Himmel über Berlin meinte es gut an diesem lauen Frühlingsabend: Auf der üppig begrünten Dachterrasse in der Kreuzberger Rudi-Dutschke-Straße saßen rund 300 Mitarbeiter der tageszeitung (taz) bei Limonade und Freibier und schrieben an ihre Leser. Doch nicht wie jeden Tag – aus aktuellem Anlass und direkt ins Computersystem –, sondern nach Redaktionsschluss, persönlich und mit der Hand. „Danke für Ihr Abo“, lautete die einfache Botschaft. Und sie traf den richtigen Ton bei den Adressaten, die sich ihrerseits mit E-Mails, Postkarten, mit Geschenken oder gleich per Barscheck bedankten.
Starke Leser-Blatt-Bindung
Die Aktion wirkte gut, weil die deutschen Zeitungsleser in Sachen Kundenbindung nicht sehr verwöhnt sind: Im Kampf um neue Abonnenten überbieten sich die Verlage mit immer höherwertigen Prämien, doch nach dem Abschluss eines Abos wird der Kontakt immer spärlicher.
Sonderstellung in Sachen Kundenbindung
Nicht so bei der genossenschaftlich herausgegebenen taz: Das links-alternative und in einigen Ausgaben fast werbefreie Printmedium mit Onlineausgabe weiß jetzt auch offiziell, dass es in puncto Kundenbeziehung eine Sonderstellung einnimmt: Laut einer vom Verlag in Auftrag gegebenen Studie der TU Dresden ist die Bindung zwischen der taz und ihren Lesern fast zweimal höher als bei anderen Tageszeitungen. „Das spüren wir auch“, sagt die taz-Kreativchefin Nina Schoenian, „wir bekommen Kündigungen oft in Form von regelrechten Liebesbriefen, in denen sich unsere Leserinnen und Leser schrecklich winden und entschuldigen, dass sie ein Abo abbestellen.“
Solche Beziehungen gilt es, besonders zu pflegen. Bei Zustellungspannen werden die Abonnenten mit Gutscheinen bedacht. Und alltags herrscht reger E-Mail-Verkehr zwischen Leserschaft und Redaktion. Zudem ist auch bei der taz bekannt, dass es um ein Vielfaches teurer ist, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bereits gewonnen zu halten.







