/DIREKT+: Wann geht die Deutsche Post in Richtung Web 2.0?
BOHLKEN: Wir sind schon da. Tatsächlich gibt es ja seit geraumer Zeit Onlineangebote auf unseren Webseiten. Zugegeben, sie waren nicht immer sehr deutlich herausgehoben und optisch auch nicht sehr opulent gestaltet. Aber bei einem so riesigen Unternehmen wie der Deutschen Post vollzieht sich ein solcher Wandel Schritt für Schritt. Uns waren vor allem der Nutzwert für den Anwender und ein sinnvolles Angebot wichtig. Die Services müssen auch absolut zuverlässig und einfach bedienbar sein, deshalb beschränkt man sich zunächst auf die Kernfunktionen.
Aber inzwischen haben wir die meisten Webservices auch grafisch noch benutzerfreundlicher gestaltet und neue Angebote hinzugenommen. Und das mit größtem Erfolg: Unsere mobile Website wurde ja zum Beispiel mit dem KUDOS-Award ausgezeichnet für ihre Serviceorientierung und Funktionalität. Eine sehr stark nachgefragte iPhone-Applikation ist übrigens auch vorhanden.
/DIREKT+: Was genau wird dem User geboten?
BOHLKEN: Gleich die Startseite www.deutschepost.de ist optisch und funktional auf die Generation Web 2.0 zugeschnitten. Sie ist grafisch großzügig gestaltet und betont unsere Webservices, die sich in den Bereichen Schreiben, Versenden, Empfangen und Werben finden. Schreibcenter.de zeigt zum Beispiel, wie sich Briefpost und Onlineservice ergänzen können. Mit Titelhelden.de erstellen Anwender ihre eigene Zeitung online.
Im Businesssegment hilft Adressdialog.de bei crossmedialen Kampagnen, und Mailingfactory.de lässt auch Marketer mit kleinem Budget ihre individuelle Dialogkampagne auf der Grundlage von professionellen Vorlagen entwerfen – die Umsetzung erledigt dann die Deutsche Post. Um unsere Kunden auch weitergehend zu informieren, ihnen Ideen und erfolgreiche Beispiele an die Hand zu geben, bieten wir mit /DIREKT+ ein kostenloses Magazin für Entscheider im Dialogmarketing, das als Printausgabe erhältlich ist und unter www.direktplus.de auch eine eigene Website besitzt.
/DIREKT+: Haben Sie denn noch weitere Web-Neuerungen im Köcher?
BOHLKEN: Allerdings! Unter anderem testen wir gerade die Internetplattform allesnebenan.de, mit deren Hilfe sich Angebote, Produkte und Dienstleistungen in der näheren Umgebung bequem finden und Kaufinteressenten und Anbieter zusammenbringen lassen. Und für kleine und mittlere Unternehmen gibt es seit Neuestem das Produkt Werbemanager, mit dem wir umfangreiche Hilfestellung leisten in Sachen Onlinewerbung.
/DIREKT+: Wo sehen Sie zukünftig den größeren Bedarf – bei Print oder Online?
BOHLKEN: Das ist für mich keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine Sowohl-als-auch-Strategie. Jedes Medium hat seine spezifischen Stärken. Print besitzt eine unglaubliche Wertigkeit und konzentrierte Aufmerksamkeit, gerade im Webzeitalter, und das wird auch von unseren Kunden geschätzt. Online hingegen ist schneller, leichter zu archivieren und besser durchsuchbar. Zudem liegt hier der große Vorteil in der Vernetzung – von Themen, Inhalten, Kontakten und Services.
/DIREKT+: Nach den eingangs erfragten Herausforderungen, welche Chancen erkennen Sie für 2010?
BOHLKEN: Im crossmedialen Dialog können Unternehmen und Kunden noch besser zusammenwachsen, das heißt auch: ein besseres Verständnis füreinander gewinnen. Die Kommunikation wird weiter vernetzt und hilft dabei, Produkte und Services zu verbessern. Mit Medien wie Direktplus.de, die für viele Ideen sorgen, und Webservices wie Mailingfactory.de, die Kampagnen on Demand ermöglichen, müssen auch kleine und mittlere Unternehmen nicht mehr auf professionellen Dialog mit ihren Zielgruppen verzichten.
Während die Notwendigkeit des Einsatzes digitaler Medien wächst, gewinnen auch die klassischen Formen wie Brief und Postkarte wieder an Bedeutung und können ihre ureigenen Stärken ausspielen. Genau diese Kombination spiegelt sich ja auch wider in dem neuen Produkt „Brief im Internet“, das wir Mitte des Jahres vorstellen werden. Also eine Onlinevariante des seit Jahrhunderten als verbindlich, vertraulich und verlässlich bekannten Mediums Brief, die auf Wunsch oder bei Bedarf auch physisch zugestellt werden kann. Ein flächendeckendes und umfassendes Angebot aus einer Hand, das in dieser Form nur die Deutsche Post machen kann. Wir rechnen damit, dass Wirtschaft wie Privatleute dieses Angebot sehr stark nachfragen werden. Die Märkte halten also auch 2010 viele Potenziale bereit.
Zur Person
Ingo Bohlken verantwortet seit 2006 als Chief Marketing Officer das Marketing der Deutschen Post und ist Mitglied des Bereichsvorstands BRIEF. Neue Medien haben stets einen großen Anteil an seiner Arbeit ausgemacht. So erhielt die mobile Website der Deutschen Post http://m.deutschepost.de den Preis der Expertenjury bei den KUDOS-Awards 2009. Und bereits auf der virtuellen 3-D-Plattform Second Life gab es einen digitalen Post-Tower: „Unsere Vision ist, mit vielfältigen interaktiven Aktionen eine Brücke von der Onlinewelt ins wirkliche Leben zu schlagen“, erklärt Bohlken. „Denn Menschen zu erreichen und zu verbinden ist seit jeher unser Ziel und unsere Aufgabe.“





