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Erotisch knisternde Kundenansprache

Mit den richtigen Reizen und einer Prise Erotik kann Kommunikation Kunden sinnlich anregen. Das Knistern beim Flirt von Unternehmen und Kunden ist aber eine hohe Kunst, die nur mit Fingerspitzengefühl zum Erfolg führt.


Manchmal müsse eine Frau nichts tragen außer Parfüm, haucht Sängerin Christina Aguilera sinnlich in die Kamera und meint damit ihren selbst kreierten Duft. Beim Eis Magnum machen es die lockenden Lippen, die die Schokoladenglasur umschließen, schier unmöglich, sich nur auf das Eis zu konzentrieren. Und beim Genuss eines Marmorkuchens von Dr. Oetker geraten gleich mehrere  Frauen in so sinnliche Verzückung, als säße George Clooney persönlich zum Anknabbern auf ihrem Teller.
 

Erotische Signale als Verkaufsgarant?

Es scheint, als ließen sich alle Produkte durch erotische Signale sinnlich aufladen. Der Kulti gewordene Pirelli-Kalender zum Beispiel beweist mit hochwertiger Aktfotografie, dass sich Reifen auch mit anderen Rundungen gut verkaufen lassen. Aber ist „Sex sells“ eine Verkaufsgarantie? Genau hier liegt der Trugschluss.

Wer mit Erotik wirbt, wagt eine riskante Gratwanderung. Erotik in der Werbung ist eine Kunst: Verführungskunst. Sie darf in der Ansprache der Zielgruppe niemals die sittlichen Grenzen überschreiten.

Dirk Fromm, Chef der Mediaagentur PHD Network, stellt klar: „Erotik ist in unserer Gesellschaft absolut akzeptiert – Pornografie ist es nicht.“ Aber wer hier auch nur ein Stück zu dick aufträgt oder gar sexistische Signale aussendet, hat schnell die Gunst der Kunden verloren. Plumpes Vorgehen kann Marken einen erheblichen Imageschaden zufügen. Fingerspitzengefühl und Know-how sind nötig, um auszuloten, wie weit man gehen darf. „Erotik kann eine Waffe sein – und sie ist gleichzeitig sehr oft fehl am Platz“, gibt Werbeexperte Fromm zu bedenken.
 

Sinnbilder für Genuss und Selbstbestimmtheit

Wer mit dem Reiz nackter Haut, mit einem verführerischen Blick arbeitet, läuft nicht Gefahr, die Moral zu verletzten. Deutschland ist keine Klosterschule: Lustvolles Genießen gehört zum positiven Lifestyle – bei Männern wie bei Frauen, in jüngeren wie in älteren Zielgruppen.

Stephan Grünewald, Geschäftsführer des auf qualitative Marktforschung spezialisierten Instituts Rheingold, stellt außerdem fest: „Erotik wird heute zunehmend cool und autark dargestellt.“ Statt eines Pärchens sehe man auch immer öfter eine Frau oder einen Mann allein. Man wolle sich nicht an den Partner verlieren, sondern sich stark, nicht angreifbar fühlen. „Erfolgreiche erotisierende Werbung sollte daher kommunizieren: Mit diesem Produkt werde ich mich autark fühlen.“
 

Sensibilität ist Teil des Erfolgskonzepts

Auch wenn Marketingexperten sich einig sind, dass höchstens Werbung mit Kindern und Tieren so hohe Aufmerksamkeit erregt wie Erotik, ist dennoch Sensibilität gefragt. Denn Verbraucher sind längst medienerfahren genug, um nicht in jede billige Eyecatcher-Falle zu tappen. 

„Erotik funktioniert nicht für jede Branche“, warnt Claudius Schmitz, Unternehmensberater und Professor an der University of Applied Sciences in Gelsenkirchen. Rezipienten bemerken schnell, wenn der Absender zwanghaft einen Bezug zur Erotik herstellen will, der nicht existiert. Die Folge: Die Werbung wird abgelehnt. 
 

Erotik ersetzt nicht das Vermitteln des Produktnutzens

Aufreizende Bikinischönheiten erzeugen zwar Aufmerksamkeit, aber dass sich diese sofort in einen Kaufanreiz umwandelt, ist unwahrscheinlich. In der Regel entscheidet sich der Konsument beispielsweise eher für eine Reifenmarke, die ihn vom Produktnutzen überzeugt hat. Oder: Er wird sich vielleicht an das Bikinimädchen, aber fatalerweise überhaupt nicht an den Reifenhersteller erinnern.
 

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