/DIREKT+ Herr Grüne, zahlt sich Best-Ager-Marketing überhaupt aus?
Grüne: Zunächst nicht! Best Ager sind erst mal Menschen, Verbraucher, Teilnehmer am Alltag, sie stehen mitten im Leben. Aber sie sind empfänglich für gute und seriöse Lösungen, die ihnen das Leben erleichtern und Spaß ohne Aufwand versprechen.
/DIREKT+ Sehen Sie Überschneidungen mit jüngeren Zielgruppen?
Grüne: Sogar große Schnittmengen. Der Konsum, die Lust am Einkaufen und das von der Kultur allgemein und der Werbung speziell gespeiste Kaufverhalten sind oft kongruent oder zumindest sehr ähnlich.
/DIREKT+ Wie nimmt sich Ihrer Beobachtung nach die Zielgruppe der Best Ager heute selbst wahr?
Grüne: Durchhalten auf der Partymeile, keine Schwächen zeigen, sich nicht bemuttern lassen, sondern durchstarten bis ins hohe Alter. Dazu aber Dankbarkeit für verdeckte Prothesen, also kleine Alltagshilfen, die nicht als Seniorenprodukte deklariert werden, sondern einfach praktisch und hilfreich sind. Tonalität gerne schnörkellos, auf den Punkt, wenig „Chichi“.
/DIREKT+ Was bedeutet das für den Dialog mit dieser Zielgruppe?
Grüne: Locken statt schrecken – Genussmehrwert statt Verzicht herausstellen. Und: konkrete Hilfsfunktionen eher bemänteln als frontal beleuchten.
/DIREKT+ Das alte Ehepaar auf der Parkbank hat als Werbebild also ausgesorgt?
Grüne: Ja. Man muss nur die Entwicklungen in der Touristik oder bei der Unterhaltungselektronik betrachten. Best Agers sind heute „Best Livers“, sie wollen Genuss, Spaß, angemessene Erregung. Sie sagen: Das Ruhebett kann warten – die Party geht weiter!
Zur Person
Heinz Grüne ist Geschäftsführer des Kölner Marktforschungsunternehmens Rheingold. Das Institut arbeitet bei seinen qualitativen Marktanalysen unter anderem mit psychologischen Tiefeninterviews.










