Markensprache: Erfolg mit Ehrlichkeit

Damit eine Wortmarke in den Köpfen haftet und langfristig mit dem Angebot verknüpft wird, sollten Unternehmen bei ihren Claims auf Langfristigkeit setzen. Gleichzeitig müssen Werbesprüche immer wieder als originell wahrgenommen werden. Dies kann beispielsweise mithilfe einer bewussten Normverletzung oder mit intelligentem Witz geschehen, empfiehlt der Serviceplan-Chefkreative Tim Strathus. Gelungene Beispiele sind hier „Wir können alles außer Hochdeutsch“ (Baden-Württemberg) oder „Leider teuer“ (René Lezard).

Verständlichkeit vor Wortwitz

Trotz aller Freude auf Sender- und Empfängerseite über Wortwitze: Erklärungsbedürftige Inhalte haben bei Claims nichts verloren. Nicht zuletzt deshalb sollten Claims und Slogans, die sich an deutschsprachige Zielgruppen richten, vorsichtig mit Anglizismen umgehen. Recht hoch ist hier das Risiko, dass die Aussage missverstanden wird.

So wurde der frühere Douglas-Claim „Come in and find out“ zuweilen mit „Komm herein und finde wieder raus“ übersetzt, Mitsubishis „Drive alive“ als Aufforderung, lebend zu fahren, und „The Beck’s experience“ galt vielen Menschen als „Beck’s Experiment“.

Ehrliche Statements angesagt

Die Studie „Werbetrends 2009“, die Slogans.de und das Trendbüro Hamburg durchgeführt haben, zeigt, dass englischsprachige Claims und Slogans – entgegen der Gefahr von Missverständnissen – angesagt sind. Auch bestimmen Optimismus („Open happiness“, Coca Cola), Leistung („Aktivier das Beste in dir“, Dextro Energy) und Qualität („Der Mehrwert entscheidet“, BW Partner) die aktuelle Werbesprache. Nach „Geiz ist geil“ zeigt sich jetzt eine Rückbesinnung auf ehrliche Preis-Leistungs-Aussagen.

Auch wenn Internetfirmen wie Amazon oder eBay ohne bekannte Wortmarken punkten und viele Unternehmen aus dem Mode- und Luxussegment ihr Image lieber über Bilderwelten statt über Text transportieren, sollten Marken gerade jetzt Vertrauen vermitteln, Orientierung geben und die Bereitschaft zur Verantwortung zeigen, sagt Trendforscher Wippermann. Ein Claim, der diese Markenversprechen auf den Punkt bringt, ist also nach wie vor ein höchst wirksames Stilmittel für die Kommunikation.

 

"Claims und Slogans
sind Eselsbrücken,
um die Marke und deren Hauptnutzen ins Bewusstsein der Konsumenten einzubrennen."

Achim von Kirschhofer


Geschäftsführer, IMAS International

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Galerie erfolgreicher Claims und Slogans

 

Die Markenkommunikation über Claims ist in einigen Fällen so attraktiv, dass die besten Markensprüche in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen werden. /DIREKT+ hat einige erfolgreiche Beispiele zusammengestellt.
 

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Baldessarini: "Seperates the men from the boys."



Mit seinem 2002 von Spirit entwickelten Slogan setzt Baldessarini auf Internationalität und auf eine selbstbewusste Zielgruppe: Das Parfüm unterscheidet Männer von Jungen. Mit Charles Schuhmann wurde ein charakterstarkes Werbegesicht gewählt.

Zu Baldessarini

Bluna: "Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?"



Der Slogan für die Limonade ist eine Entwicklung der Agentur Jung von Matt (1995) und hat es zu einigem Ruhm gebracht, war schnell in den Köpfen verankert: Während und nach der Kampagne haben sich Mitmenschen oft diese Frage gestellt und damit kleine Verrücktheiten charmant entschuldigt.

Zu Bluna

BMW: "Freude am Fahren."


Zu einem Evergreen verspricht der Slogan des Automobilherstellers BMW zu werden. "Freude am Fahren." ist bereits seit 1969 im Einsatz und hat alles, was ein guter Slogan braucht: drei Wörter, ein alliteratives Element, Prägnanz und Verständlichkeit. Bei der Formulierung von BMW steigen Empfänger sofort ein.

Zu BMW

Calgon: "Waschmaschinen leben länger mit Calgon."

Bereits 1980 von Arge/TSF entwickelt klingt der Slogan vielen Kunden heute noch im Ohr. Dass ein so unhandliches Wort wie "Waschmaschine" hier funktioniert, ist vor allem der Komposition zu verdanken, die den Slogan zum Wasserenthärter über eine eingängige Melodie leicht erinnerbar macht.

Zu Calgon

Campari: "Campari. Was sonst."


Die Besinnung auf das Wesentliche, die Namensmarke, macht den Slogan von Campari aus. Die Frage "Was sonst?" wird zur Aussage, die mögliche Alternativen zu dem alkhoholischen Aperitif, der 1860 von Gaspare Campari erfunden wurde, ausschließt.

Zu Campari

ebay: "3... 2... 1... meins!"


Das Online-Verkaufsportal hat das Ersteigern von Produkten zum sportlichen Wettbewerb gemacht. Der dynamische Slogan "drei zwei eins meins!" (2003, Jung von Matt) nimmt das Bild auf und verbindet den Start (3... 2... 1...) direkt mit dem Ziel (meins!).

Zu ebay

FAZ: "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf."



Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat mit dem 1967 von Scholz & Friends entwickelten Slogan der Doppeldeutigkeit zum Erfolg verholfen. Denn hinter der Zeitung steckt der kluge Kopf des Journalisten sowie der des Lesers. Hier im Bild: Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Zur FAZ

Fielmann: "Brille: Fielmann"

Produktgruppe und Namensmarke können kaum direkter assoziiert werden als im Slogan von Fielmann. Von Conrad / Gley / Thieme 1980 entwickelt ist der Slogan noch immer top-aktuell und absolut eingängig.

Zu Fielmann

Haribo: "Haribo macht Kinder froh."

Ein Klassiker der Süßwarenbranche hat bereits 1935 seinen eigenen Slogan entwickelt: "Haribo macht Kinder froh" Erweitert wurde er 1962 um "und Erwachsene ebenso." Der Reim (froh - ebenso) verleiht dem Slogan Gedichtcharakter, die eingängige Melodie unterstützt dies.

Zu Haribo

IKEA: "Entdecke die Möglichkeiten."

Da das Möbelhaus IKEA seine Kunden durch Kataloge sowie ein großes Angebot vielfältig kombinierbarer Produkte vor Ort anregt, trifft der Slogan von 1985 ins Schwarze. Ein Nachfolger "Wohnst Du noch oder lebst Du schon?" wurde zwar viel zitiert, ist aber in seiner Kernaussage schwer verständlich.

Zu IKEA

Kitekat: "Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch."

Der erfolgreiche Slogan, 1982 von Scholz & Friends entwickelt, spricht Kernwerte wie Gesundheit und Freude direkt sowie Liebe und Zuneigung indirekt an. Clever: Den Transfer der Aussage auf das Katzenfutter muss der Empfänger selber leisten. Das trägt zur Glaubwürdigkeit bei.

Zu Kitekat

Maggi: "Das wissen selbst die Kinderlein - mit Maggi wird die Suppe fein."

Dieses frühe Beispiel eine gedichteten Slogans wurde 1886 von Frank Wedekind erfunden. Der Schriftsteller, Journalist und Schauspieler arbeitete auch eine Zeit lang Chef der Werbeabteilung von Maggi.

Zu Maggi

Malteserkreuz: "Man gönnt sich ja sonst nichts."



Es gab eine Zeit, in der der Volksmund jeden kleinen Luxus mit den Worten begründete: "Man gönnt sich ja sonst nichts." Der 1985 von FCB Wilkens für Malteserkreuz (Aquavit) entwickelte Slogan erwies sich auch bei Abstinenzlern als sehr erfolgreich.

Zu Malteser (Aquavit)

Mars: "Mars macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel."

Die Generation der 70er und 80er Jahre hat den Song noch im Ohr: "Mars macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel." Ohne dynamisierende Melodie hätte der lange Slogan von D'Arcy / MacManus (1975) kaum so gut funktioniert.

Zu Mars

Michelin: "Unser Fortschritt bringt Sie weiter."



Der Reifenhersteller Michelin sorgt dafür, dass Kunden in Bewegung kommen und bleiben. Sein Slogan aus dem Jahr 1998, "Unser Fortschritt bringt Sie weiter.", verbindet geschickt den technischen Fortschritt mit dem dynamischen Weiterfahren. Heute ist der Slogan verkürzt auf: "Wir bringen Sie weiter."

Zu Michelin

Nike: "Just do it."


Weniger eine Aussage über die Sportartikel von Nike als vielmehr Ausdruck einer Lebenseinstellung hat sich "Just do it." schnell als erfolgreicher Slogan etabliert. Entwickelt wurde er 1988 von Wieden + Kennedy.

Zu Nike

Nokia: "Connecting People."


Mehr als Telefonieren verspricht Handyanbieter Nokia: Die mobile Kommunikation verbindet Menschen. Der Claim, 1994 von Grey entwickelt, lässt neben der sozialen Komponente Raum für eigene Assoziationen.

Zu Nokia

Persil: "Da weiß man, was man hat."

Mit diesem Claim vertraut der Hersteller darauf, dass der Empfänger bereits positive Erfahrungen mit dem Waschmittel gemacht hat. Ansonsten weiß man eben nicht, was man nicht hat. Ein spielerischer Claim, der vieles offen lässt, aber noch immer sehr erfolgreich ist.

Zu Persil

Schwartau (Extra): "Das erste Extra des Tages"

Wem das Aufstehen in der Früh schwer fällt, der kann vielleicht mit einem Versprechen an den Frühstückstisch gelockt werden: Was sich neben der Produktmarke konkret hinter dem "ersten Extra des Tages" verbirgt, muss der Empfänger allerdings selbst erschmecken.

Zu Schwartau (Extra)

Toyota: "Nichts ist unmöglich."

Euphemismen ist mit Vorsicht zu begegnen, denn ebenso wie bei der Aussage "Alles wird gut" wird jeder kritische Mensch die Stichhaltigkeit des Toyota-Slogans "Nichts ist unmöglich" in Zweifel ziehen. Dennoch hat er sich schnell und erfolgreich in den Köpfen der Kunden festgesetzt.

Zu Toyota

VR-Banken: "Wir machen den Weg frei."

Unterstützt durch eine klare Bildsprache, die den freien Weg zum Horizont zeigt und Hindernisse beiseite schiebt, fasst der Slogan der Volks- und Raiffeisenbanken den Wert von Service und Finanzleistung in eine wirkungsvolle Symbolik.

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Interview Alexander Hahn

Alexander Hahn, Gründer von Slogans.de, informiert im Interview über die Charakteristika von erfolgreichen Slogans und zeigt, wie sich Marken mit Slogans etablieren und verjüngen können.

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Erfolgreiche Strategien für Claims und Slogans nennt der Experte für Kommunikation und Design Enzo V. Prisco im Gespräch mit /DIREKT+.

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